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Sport macht stark! Ich, Du, wir – Erlebnispädagogik im Sportunterricht

(18.06.2024)
Vertrauen aufbauen – in die eigene Person und zu Mitschülerinnen und Mitschülern –, Verantwortung übernehmen – für sich und für andere – das sind zentrale Punkte in der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Heranwachsenden. Wie man diese Kompetenzen im schulischen Kontext und insbesondere auch im Sportunterricht mit verschiedenen Übungen aus der Schulerlebnispädagogik fördern kann, stand im Mittelpunkt einer dreitägigen Fortbildungsmaßnahme der Landesstelle für den Schulsport in Bischofsgrün.

„Mit der handlungsorientierten Methode der Schulerlebnispädagogik (SEP) kann ich durch die Vorgabe eines Ereignisses, das die Schülerinnen und Schüler körperlich, emotional, geistig und/oder auch sozial herausfordert, bestimmte Handlungen und Erlebnisse auslösen. Durch die gemeinsame Reflexion der Erlebnisse werden Erfahrungen gemacht, die bewusst oder unbewusst zu neuen Erkenntnissen führen und neues Wissen bedeuten (E-Kette). Durch den Transfer in den Alltag wirkt die Schulerlebnispädagogik nachhaltig und befähigt die Schülerinnen und Schüler, ihre Lebenswelt verantwortlicher zu gestalten. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger, sondern durch handlungsorientierte Methoden“, machte SEP-Referentin Heike Sonnleitner den Unterschied zwischen „Spaßspielen“ und „Erlebnispädagogik“ in einer flankierenden Theorie-Einheit deutlich. 

Hauptziel des Lehrgangs "Sport macht stark! Ich, Du, wir – Erlebnispädagogik im Sportunterricht" war jedoch immer die praktische Umsetzung und die Eigenrealisation der Teilnehmenden. Beginnend mit verschiedenen Kennenlernspielen als Warm-Up und dem gegenseitigen Austausch über die Lehrgangsinhalte und -ziele bei den Stellwandinterviews bis hin zum Kennenlernen der unterschiedlichen Persönlichkeiten mit der Übung „Lügen erlaubt“, die nach der Einführung im Seminarraum genügend „Gesprächsstoff“ für alle Teilnehmenden am gesamten ersten Lehrgangstag bot. 
Die Wanderung auf den Ochsenkopf war als gemeinsame Naturerfahrung mit Übungen aus der Erlebnispädagogik gespickt, wie zum Beispiel der „Steinwanderung“ „Zip Zap Zo“ oder dem „wandernden Minigolfball“, der so schnell wie möglich (unter 10 Sekunden) durch alle 48 Teilnehmerhände wandern sollte. „Mit diesen Übungen soll zum einen die eigene Wahrnehmung geschult und zum anderen das Teambuilding gefördert werden. Gleichzeitig dienen die Pausen aber auch zur Erholung.“, erklärte Matthias Endres unterwegs.

Auf dem Ochsenkopf angekommen probierten die Lehrgangsteilnehmer zur Anbahnung von „Vertrauen und Verantwortung“ die Übungen „blind führen und geführt werden“ zunächst paarweise und dann in Kleingruppen aus. Beim „Night Flight“ gab ein zwischen Bäumen gespanntes Seil den nötigen Halt, um mit einer Augenbinde blind einen Wald-Parcours zu absolvieren. „Haltet euch am Seil fest und ertastet mit den Füßen langsam und schrittweise den Untergrund, damit ihr nicht über Wurzeln, Steine oder Äste stolpert“, gaben Monika Lang und Alexander Liebl ihren Schützlingen als Hilfestellung mit auf den Weg. „Die Zielgruppenorientierung ist wichtig – deshalb denkt bei der Umsetzung an euren Schulen auch an die mögliche Differenzierung. Die Herausforderung darf nicht zu groß sein, damit möglichst alle mit einem positiven Gefühl aus den Übungen herausgehen.“ Dieses Feedback holt man sich als Lehrkraft beispielsweise bei der gemeinsamen Reflexion im Anschluss an die Übung.  
   
Nach der Vermittlung der erlebnispädagogischen Grundlagen des Sportunterrichts im Freigelände lag der Fokus am zweiten Lehrgangstag auf der Umsetzung im Sportunterricht in der Halle. Auch da stellte das Referententeam aus seinem breiten Repertoire die passenden Übungen vor. Angefangen von Übungen zur Vertrauensbildung als einem wichtigen Baustein der Schulerlebnispädagogik, über kooperative Bewegungsspiele für den Sportunterricht bis hin zu Abenteuerspielen und problemlösenden Aufgaben. Tipps zum Konfliktmanagement im Sportunterricht durch Intervention und Moderation sowie die Vorstellung verschiedener Methoden für die Schülerreflexion im erlebnispädagogischen Sportunterricht rundeten das Lehrgangsprogramm ab. Dank des großen Erfahrungsschatzes des Referententeams bestehend aus Monika Lang (Grundschule Roßtal), Heike Sonnleitner (Staatliche Realschule Simbach a.Inn), Matthias Endres (Ludwig-Erhard-Schule Staatl. Berufsschule II Schweinfurt) und Alexander Liebl (Staatl. Berufsschule Bad Kissingen) und dank der hervorragenden Möglichkeiten zur Eigenrealisation im und um das BLSV Sportcamp in Bischofsgrün war die Fortbildung für alle ein gewinnbringendes Erlebnis. 

Aufbauend auf den gemachten Erfahrungen sowie ausgestattet mit dem neuen Wissen und zahlreichen in der Schulpraxis erprobten Übungen wurden die teilnehmenden Lehrkräfte im Rahmen der Fortbildung befähigt und motiviert, die Schulerlebnispädagogik zielgruppengerecht mit ihren Klassen und an ihren Schulen durchzuführen - im Sportunterricht und als persönlichkeitsbildendes Zusatzangebot bei Schülerfahrten und Wanderungen.

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